Nationale Gedenkstätte für Heim- und Verdingkinder

Das ehemalige Kinderheim in Mümliswil beherbergt heute die erste nationale Gedenkstätte für Heim- und Verdingkinder in der Schweiz. Es erwartet Sie eine sorgfältig kuratierte Ausstellung, eine grosse Bibliothek und ein Videoraum mit verschiedenen Filmen.

Der runde Pavillon des Kinderheimes beidseitig umgeben von grünen Tannen Im Erdgeschoss des runden Pavillons befand sich früher der Speisesaal des Kinderheims.

Bis 1981 haben die Schweizer Behörden zehntausende Kinder und Jugendliche von ihren Familien getrennt. Sie wurden als Arbeitskräfte auf Bauernhöfe verdingt, in Heime oder geschlossene Einrichtungen gebracht. Die Fremdplatzierungen wurden auch gegen den Willen der Eltern oder Angehörigen und ohne Gerichtsentscheid durchgesetzt.

In diesem Ausstellungsraum hängen schwarz-weiss Fotos an der Wand, in der mitte stehen drei Säulen, darauf sind jeweils Texttafeln platziert Die Ausstellung vermittelt Hintergrundwissen und zeigt in zahlreichen Bildern, wie die Kinder und Jugendliche damals in den Heimen lebten.

Historische Aufarbeitung macht Schicksale sichtbar

Der Zürcher Historiker Thomas Huonker hat 2010 im Auftrag der Guido Fluri Stiftung einen Teil der Geschichte der Schweizer Kinderheime und des Verdingwesens aufgearbeitet. Thomas Huonker führte Gespräche mit Betroffenen, studierte Erfahrungsberichte, Akten und Bildquellen in Bibliotheken und Archiven. Dabei stiess er etwa auf Fotografien von Paul Senn (1901-1953) oder Hans Staub (1922-1998), die das Leben und den Alltag der Heim- und Verdingkinder mit berührenden Bild-Reportagen dokumentiert haben.

Auf einer mit holz getäferten Wand hängen fünf schwarz-weiss Fotos, die Szenen aus dem Alltag im Kinderheim in Mümliswil zeigen Die Fotografien berühren und überraschen in ihrer Direktheit.

Ausstellung: tiefe Einblicke in das Leben der Heim- und Verdingkinder

Gestützt auf die historische Aufarbeitung von Thomas Huonker, hat der Kurator Markus Schürpf mit den vorhandenen Bildern und Dokumenten eine bewegende Ausstellung in den Räumen des ehemaligen Kinderheims gestaltet. Das Ziel der Ausstellung ist es, die Lebenswelt der damaligen Heim- und Verdingkinder für die Besucherinnen und Besucher sicht- und erlebbar zu machen.

Denn die Aufarbeitung der Geschichte der Heim- und Verdingkinder begann erst spät in der Schweiz. Die Ausstellung trug bei ihrer Eröffnung 2013 massgeblich dazu bei, die Öffentlichkeit für dieses Thema zu sensibilisieren.

 

Im Videoraum befindet sich eine grosse Leinwand und vier Reihen von grün bepolsterten Holzstühlen Im Videoraum stehen verschiedene Filme zu diesem Thema zur Verfügung.

In der Gedenkstätte finden Sie ebenfalls eine sorgfältig kuratierte Bibliothek. Insgesamt stehen über 350 Sachbücher und Biografien zum Recherchieren und Stöbern bereit. Im grossen Videoraum können auf Wunsch themenbezogene Filme, von Kurzfilm bis Spielfilmlänge, abgespielt werden.

 

Gedenkstätte steht allen offen

Die Gedenkstätte Mümliswil ist als Begegnungszentrum, Ausstellungsort und Informationsplattform konzipiert. Schulklassen, Gruppen und Privatpersonen können in originaler Umgebung mehr über die Geschichte der Heim- und Verdingkindern in der Schweiz erfahren. Der Besuch ist kostenlos und auf Voranmeldung möglich. Auf Wunsch bieten wir auch Führungen an.